Dienstag, 4. Februar 2014

Meilensteine der Neurourologie - der Blasenschrittmacher nach Brindley

Das in der Wirbelsäule gelegene Rückenmark verbindet die Steuerzentren des Gehirns mit den Armen, Beinen und inneren Organen wie Blase und Darm. Im Rückenmark verlaufen einige hunderttausend Nervenbahnen, die Informationen einerseits vom Gehirn in den Körper und andererseits von dort zurück in das Gehirn transportieren. Wird das Rückenmark an irgendeiner Stelle beschädigt, so werden auch Nervenbahnen in Mitleidenschaft gezogen und der Informationsfluss in beide Richtungen gestört. In diesem Falle spricht man von einer Querschnittlähmung oder Paraplegie. Fast alle Mensch mit Paraplegie sind von einer Blasen- und Schliessmuskellähmung und damit häufig auch von einer Harninkontinenz betroffen. Langjährig erprobte Behandlungsmethoden wie der Blasenschrittmacher nach Brindley ermöglichen es, eine Inkontinenz wirksam zu kontrollieren, Komplikationen und Spätschäden zu vermeiden und die Lebensqualität der Betroffenen wirksam zur stärken. Nach ersten Experimenten Ende der sechziger Jahre, erfolgte 1976 die erste erfolgreiche Implantation eines Blasenschrittmachermer am Menschen durch Prof. Charles Brindley. Das Verfahren in der bis heute angewandten Methode wurde im September 1986 erstmalig von Prof. Dieter Sauerwein durchgeführt. In einer Operationsprozedur wird durch die sakrale Deafferentation (Durchtrennung sensibler Nervenbahnen am Rückenmark) die spastische Blasenwandmuskulatur beruhigt und durch die gleichzeitige Implantation der Elektroden für die sakrale Vorderwurzelstimulation die Voraussetzung für die willkürliche sendergesteuerte  Blasenentleerung geschaffen. Auch die Darmentleerung, die Erektion, eine Lubrifikation der Scheide und ein Muskeltraining der Glutealmuskeln lassen sich in vielen Fällen durch die Stimulation steuern. Die Voraussetzungen für die Anwendung dieser Methode sind eine motorisch und sensibel komplette Querschnittlähmung. Das System besteht aus einem Implantat und einer externen Steuereinheit. Spezielle Elektroden (E) werden an die für die Blasensteuerung zuständigen Spinalnerven (F) platziert und über eine Kabelverbindung mit einem Empfängerblock (D), der unter der Haut in der Bauchdecke liegt, verbunden. Das externe Steuergerät (A) sendet die Stimulationssignale über das Senderkabel (B) zum Senderblock (C), der direkt über den implantierten Empfängerblock auf die Haut gelegt wird. Nach der Implantation verbessert das System die Harnkontinenz, vergrößert die Blasenkapazität, minimiert Harnwegsinfektionen, ersetzt den intermittierenden Katheterismus und ermöglicht eine sendergesteuerte Kontrolle über die Blasen- und ggf. Darmentleerung. Ein interessantes Video finden Sie hier

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