Dienstag, 2. August 2016

Nächtliches Wasserlassen - häufig, lästig und ein Alarmsignal

Regelmäßig nachts aufzuwachen, weil die Blase den Gang zur Toilette fordert, ist ein verbreitetes Leiden - und ein gefährliches zugleich: Zum einen werden die Folgen der regelmäßigen Unterbrechung des Nachtschlafes zum Wasserlassen, fachsprachlich Nykturie genannt, unterschätzt. Zum anderen sind die nächtlichen Toilettengänge häufig ein Alarmsignal, das auf eine ernste Erkrankung hindeuten kann. Zu unrecht wird die Nykturie häufig als eine unvermeidbare Alterserscheinung angesehen. Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebensqualität der Betroffenen resultieren. Männer wie Frauen sind gleichermaßen betroffen. Studien zeigen, dass aber mehr als 60 Prozent aller Menschen von 70 und mehr Jahren an einer abklärungs- und behandlungsbedürftigen Nykturie von zwei Mal oder öfter leiden. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder fünfte bis sechste betroffen - hier öfter Frauen als Männer.
Dabei ist die Nykturie keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern vielmehr das Symptom anderer körperlicher Störungen. Bei zahlreichen Nykturie-Patienten liegt eine nächtliche Polyurie vor. Sie scheiden nachts mehr als den sonst üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus, der für jüngere Menschen bis 20 Prozent, jenseits der 65 bis 33 Prozent liegen sollte. Bei anderen Patienten wird eine reduzierte Kapazität der Harnblase festgestellt, die zur häufigeren Entleerung kleinerer Mengen nötigt. Besonders bei älteren Menschen fallen oft mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu gehören die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina, Veränderungen der Blase, niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata. Bei einer Polyurie ist es notwendig, die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urinproduktion abzuklären, so etwa eine Herzschwäche, ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck, eine Störungen der Nierenfunktion oder harntreibende Medikamente. Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet.
Die Folgen einer Nykturie können schwerwiegend sein: Schlafstörungen führen oft zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Besonders ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten Mortalitätsrisiko ausgegangen. Eine Nykturie sollte daher wegen eines hohen Leidensdrucks, möglicher Komplikationen und der zum Teil schwerwiegenden ursächlichen Erkrankungen angemessen abgeklärt und behandelt werden.

Dienstag, 28. Juni 2016

Psychosomatische Urologie

In der psychosomatischen Urologie werden die Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele in der Funktionsweise der Beckenorgane und des Beckenbodens untersucht. Die Harnblase, der Enddarm, der Beckenboden und die Sexualorgane sind in hohem Masse anfällig für ein psychosomatisches Geschehen. Fehlfunktionen dieser Organe zeigen neben körperlichen Ursachen oft auch eine Verflechtung mit Vorgängen in der Psyche, bestimmten Reaktionsweisen im Alltag und sozialen Lebensbedingungen. Häufig werden diese Verknüpfungen jedoch übersehen oder zu wenig beachtet. 
Die psychosomatische Urologie betrachtet bestimmte Beschwerden unter dem Aspekt der Einheit von Körper und Seele. Einerseits können körperliche Beschwerden und Symptome der Beckenorgane und des Beckenbodens psychische Probleme zur Folge haben, andererseits gelten auch bestimmte Störungen in der Psyche als Auslöser von körperlich wahrnehmbare Beschwerden oder Funktionsbeeinträchtigungen der Beckenorgane und des Beckenbodens. In der psychosomatischen Urologie werden Beschwerden im Becken parallel objektiv untersucht und psychodynamisch beurteilt. Hierbei werden apparativ-instrumentelle Untersuchungen zurückhaltend und mit Augenmass eingesetzt. 

Krankheitsbilder in der psychosomatischen Urologie
       Chronischer Beckenschmerz des Mannes
       Chronischer Beckenschmerz der Frau
       Schmerzhafte Verkrampfung der Harnröhre (Urethralsyndrom)
       Psychosomatische Störungen der Blasenentleerung
       Besondere Formen des nächtlichen Einnässens beim Kind
       Psychogene Harninkontinenz
       Psychogene Harnverhaltung
       Reizblasensymptomatik
       Besondere Formen der wiederkehrenden Blaseninfekte
       Interstitielle Zystitis

Montag, 16. Mai 2016

Nächtliches Einnässen im Kindesalter - Untersuchung und Behandlung

Meistens ist es eine Frage der Zeit, bis Kinder, die tagsüber ihre Blasenfunktion bereits vollständig kontrollieren können auch nachts trocken sind. Sollte das nächtliche Einnässen im Alter von fünf bis sechs Jahren immer noch regelmässig vorkommen, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Bei kleineren Kindern kann man zunächst abwarten und auf eine spontane Heilung vertrauen. Im Vorfeld einer ärztlichen Untersuchung sollten Sie notieren, in wie vielen Nächten pro Woche das Bett (oder die Windel) nass ist. Auch ist ein „Pipi-Tagebuch“ erforderlich, indem Sie über zwei Tage und Nächte genau aufschreiben, wann und wie viel Ihr Kind trinkt und wann und wie viel Urin es ausscheidet. Vor allem die Urinproduktion in der Nacht ist wichtig und wird gemessen, indem man die nasse Windel morgens wiegt (vorher wiegen nicht vergessen – die Gewichtsdifferenz in Gramm entspricht der Urinmenge in Milliliter).
Im Arztgespräch wird durch gezieltes Fragen ausgeschlossen, dass Störungen der Blasen- oder Darmfunktion vorliegen. Ihr Kind wird körperlich untersucht, der Urin wird getestet und eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Eventuell wird Ihnen ein Fragebogen gegeben, der nach psychischen Störungen „sucht“. Sind alle Ergebnisse normal, sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Grundsätzlich kann man einfach abwarten, ob sich die Enuresis von alleine „rauswächst“, was mit einer Rate von 15% pro Jahr geschieht. Allerdings ist die Belastung der Kinder oft so stark, dass eine Therapie gewünscht wird. Die Motivation des Kindes ist generell ein extrem wichtiger Faktor bei der Behandlung, denn ein Kind, dem das Einnässen nichts ausmacht, ist schwer von der Durchführung der Behandlung zu überzeugen. Die Behandlung hat grundsätzlich zwei Ziele: entweder, dass das Kind ohne Einnässen durchschläft, oder dass es vom Harndrang geweckt wird und nachts die Toilette aufsucht.
Urotherapie
Der erste und wichtigste Behandlungsschritt ist die sogenannte Urotherapie. Hier wird Ihnen und Ihrem Kind genau erklärt, wie die Blase funktioniert. Sie werden beraten, wie man das Trinken und Wasserlassen dauerhaft optimiert durchführt. Zusätzlich soll das Kind selbst mithilfe von Klebe- oder Malkalendern die trockenen Nächte dokumentieren, was enorm motivierend wirken kann. Oft ist es eine Kombination von „Kleinigkeiten“, die verbessert werden können, und nicht selten ist das Problem nach einigen Wochen deutlich gebessert oder gar behoben. Führt die Urotherapie allein nicht zum Erfolg, wird diese zwar unbedingt weitergeführt, aber mit der Alarmtherapie oder einer medikamentösen Therapie kombiniert.
Alarmtherapie
In den meisten Fällen wird zuerst mithilfe einer Klingelhose oder -matratze die Alarmtherapie durchgeführt, bei der die Weckschwelle des Kindes gesenkt werden soll, sodass es durch den Harndrang geweckt wird. Die korrekte Durchführung der Alarmtherapie ist ein „Familienprojekt“, da in der Anfangsphase meist zwar alle Familienmitglieder wachgeklingelt werden, aber nicht das betroffene Kind. Das Kind muss dann sehr konsequent jedes Mal geweckt werden, bis nach einigen Wochen der Lerneffekt eintritt und das Kind zuerst schon beim Klingeln und später durch den Harndrang selbst geweckt wird. Manchmal muss die Alarmtherapie mehrfach durchgeführt werden, führt aber in den meisten Fällen zu einem dauerhaften Erfolg.
Desmopressin
Die zweite Therapieoption ist die Gabe eines künstlich hergestellten ADHs, des Desmopressins, das als Tablette oder Schmelztablette gegeben wird. Es bewirkt genau wie das körpereigene ADH eine Drosselung der nächtlichen Urinausscheidung und hat einen sofortigen Effekt. Desmopressin ist nicht für jedes Kind geeignet, der Einsatz hängt von den geführten Tagebüchern und Untersuchungsergebnisse ab. Im Idealfall ist ihr Kind sofort nachts trocken, aber es besteht kein Lerneffekt wie bei der Alarmtherapie, sodass es nach dem Absetzen der Tablette wieder zum Einnässen kommen kann. Im Rahmen der Therapie, die Monate bis Jahre dauern kann, wird man regelmäßige „Auslassversuche“ machen, um zu sehen, ob das körpereigene ADH-System schon ausgereift genug ist und Ihr Kind ohne das Medikament nachts trocken bleibt. Desmopressin kann auch nur bei Bedarf verwendet werden, wenn „wichtige Nächte“ wie Übernachtungen bei Freunden oder Klassenfahrten anstehen. Hier muss aber darauf hingewiesen werden, dass das Kind nach Einnahme der Tablette nicht mehr trinken darf (Aufsichtsperson informieren). Manchmal muss bei ausbleibendem Erfolg von einer auf die andere Therapie umgeschwenkt werden oder beide Therapien werden kombiniert.

Sonntag, 15. Mai 2016

Enuresis – das nächtliche Einnässen im Kindesalter

Enuresis ist das nächtliche Bettnässen eines ansonsten völlig gesunden Kindes, das tagsüber schon vollständige Kontrolle der Blasenfunktion hat und keine weiteren Auffälligkeiten wie Urinverlust am Tage, plötzlichen Harndrang oder Blasenentzündungen zeigt. Im Alter von sieben Jahren sind etwa 5 bis 10% aller Kinder nachts noch nass, Jungen etwas häufiger als Mädchen. Von diesen Kindern werden pro Jahr zirka 15% von allein trocken. Zwar ist das alleinige Bettnässen eines gesunden Kindes aus medizinischer Sicht völlig harmlos, aber es kann die betroffenen Kinder und ihre Familien erheblich belasten. Das Bettnässen ist vererbbar: Wenn ein oder sogar beide Elternteile Bettnässer waren, ist das Kind mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls betroffen. Für betroffene Familien ist es wichtig, zu verstehen, dass kein Kind aus Trotz oder Faulheit in der Nacht einnässt und dass man es auf keinen Fall ausschimpfen oder bestrafen sollte. Zudem gibt es nicht nur eine einzige Ursache für das Einnässen, sondern mehrere, die allein oder in Kombination zum Einnässen führen können. Dies sind die häufigsten Ursachen für nächtliches Einnässen:
1. Eine sehr hohe Weckschwelle (ein sehr tiefer Schlaf): Manche Kinder haben einen extrem tiefen Schlaf und werden vom Harndrang, den sie am Tage normal verspüren, nicht geweckt.
2. Eine vermehrte Urinproduktion in der Nacht: Das Gehirn produziert im Schlaf einen Botenstoff, der die Urinproduktion drosselt. Darum ist der Morgenurin oft dunkler. Der Botenstoff heißt Anti-Diuretisches- Hormon (ADH) und seine Produktion beginnt erst um das 2. bis 3. Lebensjahr herum. So ist sichergestellt, dass die Blase die gesamte Urinmenge der Nacht speichern kann, ohne dass ihr Fassungsvermögen überschritten wird. Sollte dies dennoch passieren, wird man normalerweise durch den Harndrang geweckt. Ein noch nicht richtig eingespieltes ADH-System, aber auch große Trinkmengen am Nachmittag oder Abend können zu vermehrter Urinausscheidung in der Nacht führen. In Kombination mit einer hohen Weckschwelle nässt das Kind dann nachts ein.
3. Eine „kleine Blase“. Das alterstypische Fassungsvermögen der Blase kann zu klein sein. Hier kann eine noch nicht ausreichende Dämpfung der Blase durch das noch nicht ausgereifte Nervensystem die Ursache sein. In Kombination mit einer hohen Weckschwelle nässt das Kind dann nachts ein.

Dienstag, 26. Januar 2016

Wie entstehen Schmerzen in der Blase?

Wie jedes andere Organ des Körpers ist auch die Harnblase schmerzempfindlich. Schmerzhafte Reize im Blaseninneren werden durch ein feines Geflecht von Rezeptoren und Nervenbahnen registriert, über das Rückenmark ins Gehirn geleitet und dort als Schmerz interpretiert und bewusst empfunden. Schmerzrezeptoren finden sich sowohl in der Blasenschleimhaut im Inneren der Blase als auch in der muskulären Blasenwand. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Schmerzzustände, den meist temporären Entzündungsschmerz der Blasenschleimhaut und den häufig konstant empfundenen Dehnungsschmerz der Blasenwand. Insbesondere Frauen kennen den typischen Schmerz bei einer Blasenentzündung. Unmittelbar nach der (meist auch schmerzhaften) Blasenentleerung ist die Blase nahezu schmerzfrei, der Missempfindungen beginnen jedoch bald darauf erneut und gehen mit zunehmender Blasenfüllung in einen konstanten Schmerz über. In diesem Falle ist die durch Bakteriengiftstoffe entzündete Blasenschleimhaut Ursache des Schmerzzustandes. In der Spiegelung sieht die Schleimhaut der Harnblase gerötet und geschwollen aus. Die aus Eiweiß- und Zuckermolekülen bestehende Schutzschicht der Schleimhaut ist beschädigt, so dass die entzündete Blasenwand mit dem chemisch aggressiven Harn in Kontakt gerät und Schmerzrezeptoren aktiviert werden. Auch nach Beginn einer antibiotischen Therapie hält der Entzündungsschmerz noch einige Tage an, erst nachdem die Entzündung der Schleimhaut zurückgegangen und die Schutzschicht zum Urin wiederhergestellt ist, verschwindet der Schmerz allmählich. Bei einer chronischen Entzündung der Blasenwand, der sogenannten Interstitielle Zystitis ist die Blasenfüllung dauerhaft mit Schmerz und häufigem, meist sehr schmerzhaftem Harndrang verbunden ist. Die Ursache ist nicht genau bekannt, könnte aber im Zusammenhang mit häufigen Harnwegsinfekten, Operationen im Becken, Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen der Blasenschleimhaut stehen. Dabei kommt es zu einer Zerstörung der Schutzschicht auf der Harnblasenschleimhaut, die eine natürliche Barriere bildet und verhindert, dass aggressive Inhaltsstoffe des Urins in tiefere Blasenwandschichten eintreten und dort Entzündungen hervorrufen.

Mittwoch, 6. Januar 2016

Blasenprobleme bei Diabetes mellitus

Menschen mit Diabetes mellitus haben doppelt so häufig Blasenstörungen und/oder eine Harninkontinenz als gleich alte Nicht-Betroffene. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen. Zwei Drittel aller Diabetes-Patienten haben Blasenbeschwerden. Häufiges Wasserlassen am Tage und in der Nacht, verstärkter Harndrang und Dranginkontinenz sind Symptome in den ersten Erkrankungsjahren an.
Im weiteren Krankheitsverlauf stehen dann Probleme bei der Blasenentleerung im Mittelpunkt, so Schwierigkeiten beim Wasserlassen und unvollständige Entleerung. Erschwerend wirkt sich bei Diabetikern häufig durch den hohen Zuckergehalt des Urins gesteigert Harnmenge aus. Ein hoher Zuckergehalt im Urin führt dazu, dass die Nieren vermehrt Wasser aus dem Körper ausscheiden und die Blase mit Urin überflutet wird. Bei einem über Jahre bestehenden und ungenügend eingestellten Diabetes schädigen dauerhaft zu hohe Zuckerspiegel im Blut Blutgefässe und Nerven, was zu weiteren Störungen der Blasen- und Schliessmuskelfunktion führt. Grundsätzlich können bei Diabetes-Betroffenen sowohl die Speicher- als die Entleerungsfunktion der Blase betroffen sein. Eine rechtzeitige gute Einstellung des Diabetes vermag das Auftreten von Blasenproblemen zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern.
Die Fehlfunktion der Blase bei langjährigem Diabetes ist zumeist eine Folge der Schädigung der Nervenbahnen, der sogenannten diabetischen Polyneuropathie. Von dieser Nervenschädigung können alle Nerven des Körpers betroffen sein, so die Nerven der Hautsensibilität, die Sehnerven oder auch die Blasennerven. Zeichen einer Schädigung der Blasennerven sind ein nachlassendes Gefühl für die Blasenfüllung, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und ein schwacher Harnstrahl sein. Zunehmende Probleme bei der Entleerung der Blase führen im Verlauf zur Bildung von Restharn nach dem Wasserlassen und zu häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen.
Ähnlich der bereits selbstverständlichen jährlichen Kontrolle der Augen auf eine diabetesbedingte Schädigung sollte auch die Blasenfunktion bei Diabetikern regelmäßig untersucht werden, um eine Fehlfunktion rechtzeitig zu erkennen und Folgeschäden am Harntrakt zu vermeiden. Menschen mit Diabetes sind generell entzündungs- und infektanfälliger als Nicht-Diabetiker, so auch in Bezug auf den Harntrakt und eine Blasenentzündung. Daher sind eine regelmäßige Kontrolle des Urins auf eine Infektion und die Messung des Restharns empfohlen.
Ein abgeschwächtes oder fehlendes Gefühl für die Blasenfüllung führt zu einer eher seltenen Entleerung der Blase. Schrittweise kommt es dann zu einer Überdehnung der Blasenwand und zu einer Schwächung des Blasenmuskels. Zusammen mit der Schädigung der Blasennerven kann dies eine unvollständige Entleerung der Blase zur Folge haben. Stehen eher Beschwerden wie ein verstärkter Harndrang oder eine Dranginkontinenz im Vordergrund, so können eine Verhaltenstherapie und anticholinerge Medikamente hilfreich sein.
Da Diabetiker nicht selten eine Reihe von Medikamenten dauerhaft einnehmen, sollten Neben- und Wechselwirkungen der Blasenmedikamente unbedingt beachtet werden. Unter der Behandlung mit anticholinergen Arzneimitteln sollte regelmässig kontrolliert werden, ob sich die Blase noch vollständig entleert.